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Einzelnen Tagebucheintrag lesen

Congster, Gangster, Nepp-ster, Dumm-ster

Freitag, 17. Dezember 2004 - 11:11 Uhr
Von Max Zorno

Die Wirtschaftswoche berichtet aktuell über ein neues Marketing-Abenteuer von T-Online. Meines Erachtens ist es zum Scheitern verurteilt:

"T-Online: Die von Vorstandschef Rainer Beaujean angekündigte Billigmarke von T-Online wird Congster heißen und in drei Monaten zur CeBIT 2005 starten."

Mit dem bewusst vom T-Online-Markenauftritt abgegrenzten Internetangebot will T-Online-Chef Beaujean neue, insbesondere jüngere Nutzergruppen erschließen. Der Produktname lehnt sich an Internet-Kultmarken wie Napster und Grokster an. Um die Distanz zu T-Online zu wahren, verzichtet Congster auf die Konzernfarbe Magenta. Statt dessen präsentiert sich die Homepage in olivgrün und orange. Diese optische Abgrenzung soll auch verhindern, dass die hauseigene Billigmarke zu stark das T-Online-Kerngeschäft kannibalisiert.

Zum Scheitern verurteilt

Einer meiner Bekannten schrieb mir treffend:

Hallo Max! Heissa, nun positioniert sich auch T-Online im genau entgegengesetzen Preissegment der eigentlichen Stamm-Marke - passend zu Deinem kürzlichen Beitrag über die "Alles-für-alle-in-allen-Preislagen-Falle". Wahrscheinlich vertraut man dabei auf die Ergebnisse der PISA-Studie und damit auf die Dummheit der Deutschen, die "sicherlich" nicht merken, dass T-Online hinter Congster steckt. Toller sinnbefreiter Anglizismus, dieser Name. Was eine blöde Idee, sich mit dem Namen in den Dunstkreis (ehemalig) illegaler Angebot zu stellen und sein Online-Angebot damit im großen Stile zu vermarkten.

T-Online selbst könnte sich ja dann ggf. auch einen neuen Trendy-Namen geben. Mein Vorschlag: Gangster oder Nepp-ster. Das passt mit Blick auf die bevorstehende Re-Integration in den T-Com Konzern und dem damit verbundenen Verschaukeln der Volksaktionären doch prima, oder?! Diese Kreativleistung der Namensfindung gibt's gratis - wahrscheinlich im Gegensatz zu Congster. Dafür hat bestimmt eine 14-köpfige, hochrangig besetzte TaskForce mit einer trendy Agentur in einem mehrtägigen Kreativworkshop auf Bora-Bora braingestormt.

Kopfschüttelnde Grüße. Stefan

Dumm-ster Marketing

Ich schüttele mit Stefan gemeinsam den Kopf: T-Online tappt geradewegs in die Positionierungsfalle, die ich vor drei Wochen diskutiert hatte. Lesen Sie meine Argumente für das Harley-Davidson Mofa und vergleichen Sie, wie verblüffend ähnlich T-Online den Zweck von Congster begründet.

Aus meiner Sicht verdient das Congster-Projekt wegen seiner Dämlichkeit einen treffenderen Namen: Dumm-ster.

Liebe Telekom- bzw. T-Online-Aufsichtsräte, bitte sofort Rainer Beaujean wegen strategischer Unfähigkeit feuern und das Congster-Konzept dort deponieren, wo es hingehört: Im Dumpster (engl. für "Müllcontainer").

Antworten

Klar gibt es die Positionierungsfalle, sofern zuviel an eine Marke gehängt wird. Komplett neue Marken einzuführen, ist aber eben gerade der richtige Weg, wenn man neue Zielgruppen oder ein neues Preissegment angehen will. Das gilt übrigens auch für das Beispiel Smart, das hier ebenfalls neulich als Positionierungsfehler genannt wurde.
Falsch: VW baut Luxuskarossen oder Mercedes Kleinwagen. Smart kann dagegen Kleinwagen bauen. Das funktioniert als Marke ja auch sehr gut.

[ Von: Q-BEE am 17.12.04 um 11:41 Uhr ]

Noch hat DaimlerChrysler mit Smart kein Geld verdient - und mit der A-Klasse auch nicht (das waren die Beispiele, die ich als Positionierungsfehler genannt hatte).

Nur schwerlich kann ich mir vorstellen, dass T-Online mit Congster Geld verdienen wird.

[ Von: Max Zorno am 17.12.04 um 11:47 Uhr ]

Positionierung bedarf der Kommunikation und starke Marken treffen klare Aussagen. Die Milka-Kuh gibt es seit 30 Jahren unverändert. Der Bausparfuchs schlaumeiert seit 1975 fast unverändert in unsere Wohnzimmer. Die Deutsche Telekom wirbt dagegen mit einem exaltierten Avatar namens Robert T. Online, um danach den rosaroten Panther zu bemühen und schließlich Tatort-Komissare und überstrapazierte Quizmaster gemeinsam ins Rennen zu schicken. Schafft das ein klares und widerspruchsfreies Markenimage? Natürlich nicht. Sagt das aus für welche Werte die Marke steht? Natürlich nicht.

Der Telekom fehlt es an Beständigkeit und gestalterische Konsistenz. Da macht ein olivgrüner Congster das Kraut auch nicht mehr fett.

[ Von: Karl-Heinz am 17.12.04 um 14:25 Uhr ]

Congster wird doch einfach nur schlecht. Schon jetzt klingt es dumm, wenn man mit T-Onlines Marke Musik lädt und dann sagen soll "Ich lad Musik - bei Musicload.de". "Ich surfe mit Congster" klingt, als hätte man keine Ahnung von irgendwas und außerdem den falschen Browser.

[ Von: Julian am 20.12.04 um 13:22 Uhr ]

Wenn ich die Diskussion so verfolge, erinnert mich das doch stark an das flache Geplänkel von den Beratern, die 1000 Stellungen kennen, aber keine einzige Frau.

Wer hat denn hier schon mal einen Markeneinführung begleitet? Dann findet doch mal einen Namen, der in den notwendigen Dienstleistungsklassen schützbar ist. dann findet doch mal einen Namen, wo alle benötigten Domains frei bzw. verfügbar sind. Dann findet doch mal einen Namen, der es allen Recht macht. Wie sagt Herr Gotta (den Ihr Experten ja sicher alle kennt) dazu: bei einem neuen Markennamen ist es wie bei der Namensfindung für ein Baby. Er sagt "wir sollten es Willi nennen", sie daraufhin: "Willi war ein Säufer...".

Frohes Fest - Richy

[ Von: Richy am 23.12.04 um 16:57 Uhr ]

Lieber Richy,

aha, spricht aus Ihnen der beleidigte T-Online-Mitarbeiter? Sie haben Ihren Kommentar aus dem firmeninternen Netz von T-Online abgesetzt (über die Adresse proxy1.t-online.net / IP: 195.243.113.249).

"Congster" ist und bleibt eine Marken-Fehlgeburt - im Hinblick auf Namen und aufs Konzept.

Ihre Vorwürfe von fehlender "Markenahnung" greifen übrigens nicht: "Max Zorno" ist ein eingetragener Markenname - und meine Beratungsaktivitäten finden ebenfalls unter einem eingetragenen Markennamen statt: Amitra . Es ist also gar nicht so schwer Markennamen zu schützen und Domains zu reservieren, die griffig klingen und vernünftig sind.

Manfred Gotta ist mir ein Begriff - er ist der "Markennamen-Erfindungs-Papst" und wie ich in Baden-Baden daheim.

Besonders enttäuscht mich an Ihrem Kommentar, dass Sie Kritik abtun ("flaches Geplänkel") und die innere Beschäftigung damit verweigern (wer zwischen den Zeilen liest, kann dies spüren). Dies erinnert mich andere Erfahrungen, die ich mit Telekom und T-Online machen musste.

[ Von: Max Zorno am 23.12.04 um 18:05 Uhr ]

Die Argumentation von Richy, dass die Namens- bzw. Markenfindung nicht ganz leicht ist, kann man ja durchaus nachvollziehen.
Nur - wen interessiert das?

Wäre diese Dienstleistung ein Kinderspiel, gäbe es auch keinen "Markennamenpapst" und einer ganzen Branche würden massive Umsatzeinbußen drohen.
Auch die Zielgruppe interessiert es wohl kaum, wie schwer es war, den Namen für eine Marke zu finden. Diese wird sich beim vorliegenden Produkt (Internet-Anschluß) im allgemeinen wohl nur zu geringen Teilen in irgendeiner Form für den Produkt-/Markennamen interessieren. Das Interesse dürfte aber im Falle einer misslungenen Namensgebung vergleichsweise steigen.
Insofern hat T-Online alles richtig gemacht. Ob sich dieses gesteigerte Interesse dann allerdings auch positiv beim Anbieter äußert, stelle ich einmal in Frage.
In diesem Falle ist dann wohl vornehmlich die Leistung bzw. der Preis relevant. Und da man seitens Congster vornehmlich über den Preis - bei im Vergleich zu T-Online abgespeckter (überflüssiger) Leistung - argumentiert, schießt sich der Hochpreisanbieter T-Online doch ins eigene Bein.
Noch schlimmer wäre das ganze, wenn das Produkt und damit die Marke "emotionaler" aufgeladen wird. Wie wäre es hier z.B. mit einem Fiat Fiasko? Der Name würde zweifelsfrei mehr Aufmerksamkeit erzielen, als Multipla, Bravo etc. Aber wollten Sie gerne im Fiat Fiasko durch die Lande fahren, wenn das gleiche Auto auch Fiat Fantastico heissen könnte, dies aber nicht tut, weil es einem Markenpapst zu arbeitsreich war, diese Marke zu positionieren? Gut also, dass T-Online keine Autos baut (Slowster, Cheapster?).

[ Von: Stefan am 05.01.05 um 11:49 Uhr ]

Mich interessiert, ob t-online auch "Content" für Ausländer reinstellen sollte. Z.B. Russische TV-Programme oder Kinofilme. Was meint Ihr dazu?
Cornelia

[ Von: Cornelia am 18.04.06 um 19:11 Uhr ]

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