Zorno.de ist die Gedanken-Sammlung von Christian Rothe, Marketing-Berater: "Bei mir finden Sie Rat und Tat in Marketingfragen. |
Einzelnen Tagebucheintrag lesenPositionierung: Die Alles-für-alle-in-allen-Preislagen-FalleFreitag, 26. November 2004 - 15:10 Uhr Gier ist ungeil: Wer versucht, jedes Geschäft mitzunehmen, wird bald kaum mehr eines machen. Das Problem: Die meisten Firmen treten mit einem viel zu breiten Angebotsspektrum am Markt auf. Damit verwässern sie ihr Profil, verwirren ihre Kunden. Lesen Sie, warum sich eine klare Positionierung immer lohnt und wie Sie sich erfolgreich positionieren können. Geniale Geschäftsidee oder Reinfall?Steht VW für erschwingliche "Volks"-Autos oder für Luxuskarossen? Der Phaeton kommt nicht vom Fleck. Können die Väter von Käfer und Golf glaubwürdige Luxusanbieter sein? Die Absatzzahlen sprechen dagegen. War die Mercedes A-Klasse wirklich nötig? Deka-Aktienfondmanager Michael Schneider schätzt, dass Mercedes mit der A-Klasse 100 Mio Euro Verlust pro Jahr macht. (FASZ vom 21.11.04) Die Frage muss erlaubt sein: Kann Mercedes wirklich als Kleinwagen-Hersteller reüssieren? Von den Problemen mit Smart will ich hier gar nicht reden. Seit Jahrzehnten genießt IBM einen guten Ruf als EDV-Lieferant für Firmen - die IBM-Consumer-Division (PCs, Spiele etc. für den privaten Kunden) war dagegen in den 90er Jahren ein Desaster. Kann ein Business-to-Business-Anbieter jemals gewinnreich in Privatkunden-Märkte vordringen? Auf der Jagd nach dem schnellen EuroDas Problem war in jedem Fall die unersättliche Gier des Managements nach Wachstum: "Hoppla, hier ist ein Marktsegment, das wir nicht besetzt haben und aus dem sich noch etwas rausholen lässt. Nichts wie dort rein!" Kurzfristig steigt der Umsatz dann tatsächlich. Langfristig demoliert ein Anbieter jedoch damit sein Profil. "Alles für alle in allen Preislagen" ist Murks für das Geschäft: Wer versucht, an alle zu verkaufen, verkauft in Wirklichkeit an niemanden. Sie können nicht Everybody's Darling seinEin gutes Beispiel sind die Karstadt-Kaufhäuser: In jeder Warengruppe können wir dort ein bisschen kaufen. Unter dem Strich ist das Angebot aber unsexy: Wollen wir etwas besonders günstiges, gehen wir direkt zur Ramschbude; wollen wir etwas besonders ausgefallenes, gehen wir lieber zum spezialisierten Fachmarkt - aber immer seltener zu Karstadt. Dabei hatte Karstadt es allen von uns recht machen wollen. Herausgekommen ist ein völlig konturloses Angebotsprofil. Dass die Geschäfte schlecht laufen, ist die verdiente Quittung dafür. Haben Sie Talent zum "Mr. Superlover"?Stellen Sie sich vor, Sie wollten gleichzeitig am "Markt" akquirieren als der ideale Liebhaber für 16-jährige Teenage-Girlies und für das "reife Weib ab 40"… und zusätzlich möchten Sie - weil dort Geld vorhanden ist - bei Schwulen landen. Sie merken es selbst: In der Praxis wird dies nicht klappen. Schauen Sie sich an: Ihr Wesen, Ihr Auftreten, Ihre Kleidung, Ihre Neigungen. Sie werden kaum für alle drei Gruppen gleichzeitig attraktiv sein können. Interessanterweise versuchen aber viele Marketingmanager mit ihrem Marktauftritt genau diesen Spagat zu bewältigen: Sie erliegen der Versuchung in jedem möglichen Markt aktiv zu sein, tappen in die Alles-für-alle-in-allen-Preislagen-Falle. Nicht auf zu vielen Hochzeiten tanzenBesonders der Mittelstand ist in Gefahr: Wer kein klares Marktprofil hat, kommt leicht unter die Räder des Wettbewerbs. Wer an zu vielen Fronten kämpft, kann damit seine Unternehmen schnell überfordern. Deshalb sollten Firmen fokussieren - zum Beispiel auf
Beispiele erfolgreich fokussierender FirmenWelche Erfolgsbeispiele gibt es?
Fokussierung tut NotAllen Erfolgsbeispielen ist eines gemeinsam: Die Anbieter haben es gelernt, den Verlockungen des schnellen, vermeintlich leichten Geschäftes zu widerstehen. Sie sagen "nein" zu Produkten und zu Kunden, die nicht zum Unternehmen passen. Denn langfristig ist es manchmal besser, kurzfristige Chancen auszulassen. Das weiß auch der Volksmund: "Schuster, bleib bei Deinem Leisten." Schade, dass dies bei so vielen Marketingverantwortlichen unbekannt ist. AntwortenHallo Zorno, ich muss Ihnen voll und ganz Recht geben!
[ Von: Martin Wagner am 26.11.04 um 16:55 Uhr ] Sie legen den Finger in die Wunde. Leider verstehen viele Manager das Wesen der eigenen Marke nicht und verwässern deren Profil durch Überdehnung bis zur Beliebigkeit. Andere opfern den Markenkern bewusst auf dem Altar des schnellen Profits. Ein abendfüllendes Thema. Was Volkswagen betrifft gewinnt man den Eindruck der Phaeton knüpfe an den Fehlschlag des Santana an, der bereits 1981 am Vorstoss ins Premiumsegment scheiterte. Mitte der Achtziger hatte man begriffen, dass ihm der Stern am Kühler fehlte und taufte ihn bescheiden in "Passat Stufenheck" um. Kein Harley-Davidson-Manager käme auf die Idee einen Harley-Davidson-Kleinwagen zu bauen, um aus der Reputation der Dachmarke Profit zu schlagen, oder? [ Von: Karl-Heinz am 26.11.04 um 17:23 Uhr ] Ein "Harley-Davidson-Kleinwagen" erscheint undenkbar. Doch tun wir einmal so, als seien wir die expansionswütige Harley-Marketingabteilung und machen ein Gedankenspiel: Natürlich definieren wir bei Harley-Davidson unsere Kernkompetenz mit dem Begriff motorisiertes Zweirad. Selbst bei dieser engen Definition unserer Marke bliebe genügend Raum für ein innovatives neues Produkt: Das 50-ccm-Harley-Davidson-Mofa! Man könnte argumentieren, dass ein Harley-Mofa unsere bestehende Produktlinie bestens ergänzen würde:
Neue, begeisterte Kundschaft wartet auf uns! Klingt doch plausibel, oder? Es wäre aber ein gigantischer Marketingfehler! Trotzdem werden tagtäglich ähnliche Irrsinnsprojekte in den Firmen dieser Welt genehmigt. [ Von: Max Zorno am 26.11.04 um 17:42 Uhr ] Zorno, Zorno, Quote:
Es wäre tatsächlich ein gigantischer Fehler! Man stelle sich Chrom, Harley-Outfit und durchgescheuerte
[ Von: Martin Wagner am 26.11.04 um 17:51 Uhr ] Nein, nein, nein, Martin. Der Sound der Harley-Motorräder ("potato-potato-potato-potato-potato") steht unter markenrechtlichem Schutz. Natürlich würden wir so lange am Mofa-Auspuff feilen, bis dort ein ähnliches markentypisches Geräusch herauskommt. Trotzdem würde der Vorstoß in den Mofa-Markt die restlichen Positionierung von Harley beschädigen. Mir geht es um folgendes: Anhand des Harley-Mofas wird schnell klar, dass bei einem Anbieter hochwertiger Produkte Billig-Produktlinien in der Regel eine Totgeburt sind - in der Praxis diskutieren dagegen genügend Firmen, "dass wir endlich auch etwas im Billigsegment anbieten müssen." Karl-Heinz von Lackum hat Recht: Da verstehen Manager den Kern des eigenen Unternehmens / der eigenen Marke nicht - und treffen Entscheidungen, die die eigene Zukunft gefährden und nicht - wie gedacht - sichern. [ Von: Max Zorno am 26.11.04 um 22:42 Uhr ] Salut Zorno,
Shortster's the little Guy in the Harley-Davidson Family.
https://alte-werbung.de/cgi-bin/shop/front/shop_main.cgi?func=direkt&artnr=5217207 Leider ist der Ausflug von H-D nirgendswo dokumentiert worden,
Auch Marketing-Manager von Kultmarken begehen mal Fehler.
PS. Schneemobile haben die auch mal hergestellt. [ Von: Zoran Radic am 29.11.04 um 14:34 Uhr ] Zoran, ich hatte mit allem gerechnet - aber nicht damit, dass Harley-Davidson bereits in die Falle getappt ist, die ich beschrieben habe. Vielen Dank für Ihren aufschlussreichen Kommentar! Hier ist sehen wir das Harley-Mofa im Bild: Für die Bereitstellung der Anzeige geht mein Dank an Zoran Radic, den Betreiber von alte-werbung.de [ Von: Max Zorno am 29.11.04 um 17:12 Uhr ] Nachtrag, falls es keinem aufgefallen ist. Die obige Anzeige ist übrigens intelligent mit der Headline umgesetzt worden.
Gruss,
PS. Sie dürfen mich ruhig duzen! >;) [ Von: Zoran am 29.11.04 um 18:24 Uhr ] Schöne Beispiel, die einigermaßen leicht sind. Und was ist mit den erwähnten Karstadts dieser Republik und in der Welt? Wie sollen die sich fokussieren wenn Sie nichts selbst herstellen?
Schöne Grüße
[ Von: Nero am 03.12.04 um 05:10 Uhr ] interessantes Beispiel die Sie da als Produktergänzung für Harley-Davidson
[ Von: Müller am 05.04.07 um 16:51 Uhr ] In der Praxis wird dies nicht klappen. Schauen Sie sich an: Ihr Wesen, Ihr Auftreten, Ihre Kleidung, Ihre Neigungen. Sie werden kaum für alle drei Gruppen gleichzeitig attraktiv sein können. [ Von: Müller am 05.04.07 um 16:53 Uhr ] Besonders der Mittelstand ist in Gefahr: Wer kein klares Marktprofil hat, kommt leicht unter die Räder des Wettbewerbs. [ Von: jahoo am 05.04.07 um 16:55 Uhr ] Zorno?? Welche Strategie und Marketingvorschläge hättest du für Harley Davidson sonst parat?? [ Von: zelnot am 16.04.07 um 18:30 Uhr ] Neue Antwort schreibenHinweis: Um hier etwas zu schreiben, muss in Ihrem Browser JavaScript aktiviert sein. Außerdem läuft hier ein Spamfilter: Wenn Ihr Kommentar nicht sofort erscheint, hat er sich darin verfangen und wird in den nächsten Stunden von mir freigelassen. Was nun als nächstes?
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