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Geschäftskorrespondenz: So blamieren Sie sich bestens - sieben Tipps für miese Mailings.

Freitag, 12. November 2004 - 10:54 Uhr
Von Max Zorno

Wollen Sie sich gerne mit Ihren Geschäftsbriefen unbeliebt machen, die Adressaten nerven? Dann machen Sie es wie "oojjoo Steinmeier jun." aus dem westfälischen Bünde: Seine "professionell" abgefasste Korrespondenz landete in diesen Tagen mehrfach in meinem Elektro-Postkasten. Sie bringt mich auf sieben Tipps, wie wir unsere Briefe optimal dilettantisch gestalten:


So schreibt oojjoo Steinmeier jun. (zum Vergrößern anklicken)

Zornos Goldene Regeln für miese Mailings

Nichts bleibt so lange in guter Erinnerung wie eine kräftige Blamage. Hier meine Ratschläge für Ihren "gelungenen" Auftritt per Brief oder Elektropost:

  1. Verzichten Sie auf überflüssige Anreden wie "Sehr geehrte/r Frau/Herr". Verwenden Sie auch niemals weniger förmliche Anreden wie "Hallo Frau/Herr". "Höflichkeit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr..." (oder so ähnlich). Fragt man Sie nach der TV-Serie Dallas, denken Sie doch auch zuerst an das Ekel J.R. und nicht an seinen lieben Gegenspieler Cliff Barnes, oder?
  2. Sparen Sie sich die Arbeit, zu sagen, aus welchem Grund sie schreiben und worum es Ihnen genau geht. Schließlich soll Ihr Schreiben für den Adressaten ein spannendes, unterhaltsames Quiz sein, an dem er lange zu knobeln hat. Ein pfiffiger Aufhänger wäre der größte Fehler, den Sie in Ihrem Mailing machen könnten.
  3. Erläutern Sie niemals - ich wiederhole: NIEMALS - den Nutzen, den der Adressat hätte, wenn er auf Ihr Schreiben reagieren würde. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold: Deshalb dürfen Sie keinesfalls gute Gründe oder Vorteile erwähnen, die für eine Zusammenarbeit mit Ihnen sprechen. Die Frage "Was bringt mir das?" sollte jeder für sich selbst beantworten.
  4. Verzichten Sie bitte auf so überflüssige Dinge wie eine lesefreundliche Formatierung Ihres Schreibens. Großschreibung am Satzbeginn ist unmodern, sie würde es dem Auge viel zu leicht machen, den Text zu erfassen. Wir leben in einer chaotischen Welt - da soll sich Ihr Brief bestens einfügen.
  5. Reduzieren Sie die abschließende Grußformel auf das absolute Minimum - Zeit ist Geld: Deshalb empfehle ich die Abkürzung "MFG"; jeder weitere Buchstabe wäre Verschwendung. Schreiben Sie niemals zu freundlich "Herbstliche Grüße aus Buxtehude".
  6. Sagen Sie keinesfalls, wer Sie sind. Sie sind in geheimer Mission unterwegs und bleiben lieber anonym. Deshalb niemals einen Brief mit dem Namen unterzeichnen. Bei E-Mails bitte auch nur kryptische Adressen verwenden (in unserem Beispiel: EUser@t-online.de) - Adressen wie peter.meier@firma.de sind für die geschäftliche Kommunikation völlig ungeeignet. An der Art, wie Sie Briefe schreiben, erkennt jeder, dass Sie ein toller, begehrenswerter Typ sind. Um das Thema Vertrauensbildung brauchen Sie sich nicht zu kümmern: Verweisen Sie bei E-Mail-Adressen und URL-Angaben daher nur auf Domains, auf denen absolut nichts über Sie zu erfahren ist: http://www.URLetter.com
  7. Geschäftspartnerschaften bereiten Arbeit - lästig, nicht wahr? Machen Sie es dem Adressaten nicht zu leicht, Sie zu kontaktieren: Listen Sie Ihre Telefonnummer auf jeden Fall so auf, dass sie fast nicht als solche zu erkennen ist; nur Ewiggestrige fügen Binde- oder Schrägstriche in die Nummer ein und gruppieren die Ziffern in Zweiergruppen, so dass man die Nummer leicht ablesen und eintippen kann.

Antworten

Das ist ein Voll-Professionel..... :-)

[ Von: wazi am 12.11.04 um 18:03 Uhr ]

ZORNO ;-)

mit einem solchen Tagebucheintrag, den niemand ernst nimmt, machst
doch auch Du nur eine Marke weiter bekannter: willst Du das ?
(eine WHOIS-Abfrage und Markenrecherche bringt
jedem Klarheit)

Mit freundlichem Gruß

Bernd

[ Von: Bernd c/o am 14.11.04 um 10:57 Uhr ]

Bernd, warum nimmt nach Ihrer Auffasung niemand meinen Tagebucheintrag ernst? Wenn man ihn "richtig" liest, kann jeder Leser echte Tipps für seine Mailings mitnehmen - und das auf spaßige Art. Warum sollen gute Ratschläge stets in verbissen ernsthaftem Ton daherkommen?

[ Von: Max Zorno am 14.11.04 um 15:33 Uhr ]

ZORNO ;-)

http://www.zorno.de/images/max_rot_klein02_r.jpg
wirkt wie eine freud'sche Fehlleistung eines verbitterten EX-Angestellten,
der als freier Unternehmensberater doch seriös und professionell
assoziiert werden soll: besser weglassen !

Mit freundlichem Gruß

Bernd

[ Von: Bernd c/o am 14.11.04 um 16:17 Uhr ]

Bernd, Ihren letzten Kommentar sollte man nicht so ernst nehmen: Schließlich bringt eine kurze Google-Recherche ans Licht, dass Sie der EUser@t-online.de und damit der Absender der pubertären E-Mails sind, die ich kritisiert habe.

Jetzt wollen Sie es mir wohl heimzahlen und versuchen, mich zu diskreditieren ("freud'sche Fehlleistung eines verbitterten EX-Angestellten"). Ihr Tipp geht postwendend an Sie zurück: "Besser weglassen!"

Zur Erklärung an alle: Bernd hat beim Eintragen seiner Kommentare seine E-Mail-Adresse femker@....de hinterlassen. Man schaue sich in folgendem Gästebuch jene drei Einträge vom 20.04.2004 an, die sich alle ums selbe Thema drehen: Der Verfasser heißt einmal Bernd (EUser@t-online.de), ein weiteres Mal Femker (femker@web.de) und ein drittes Mal Steinmeier (nn@oojjoo.de). Der liebe Berni hat drei Versuche (von 14:43 bis 14:51 Uhr) gebraucht, bis seine Seite http://www.oojjoo.com/nn/eisvogel.htm anklickbar verlinkt war - und mir heute geholfen, seine wahre Identität zu enthüllen.

Bernd, sollten Sie hier weiter stänkern wollen, werde ich Ihre nächsten Kommentare löschen.

[ Von: Max Zorno am 14.11.04 um 16:50 Uhr ]

Na immerhin war's keine HTML-Mail, die im Textmodus gelesen oftmals sehr viel Freude und Lust auf Scrabble macht, wenn sie der Autor vorher möglichst vielseitig formatiert. - Netter Artikel übrigens!

[ Von: Dirk am 15.11.04 um 12:32 Uhr ]

Klasse recherchiert Zorro! :) Und gute Tipps! Solche "wie mache ich am besten xxx falsch" kommen immer gut. Auch zum Thema Webdesign gibts solche Guides, die so aufgebaut sind. Lesen sich leicht, sind unterhaltsam und bleiben darum im Gedächtnis.

Bis später,
Daniel Große.

[ Von: Daniel Große am 15.11.04 um 18:30 Uhr ]

grins.. zorno natürlich - nicht zorro. :-)

[ Von: Daniel Große am 15.11.04 um 18:34 Uhr ]

Kaum zu glauben, aber wahr: Für diesen Tagebucheintrag hier hat mir Dietrich Steinmeier heute juristische Prügel angedroht!

[ Von: Max Zorno am 16.11.04 um 12:19 Uhr ]

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