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Agenturkunden aufgepasst: Wider die Award-Geilheit!

Dienstag, 13. Juli 2004 - 11:19 Uhr
Von Max Zorno

Der Art Director jubelt: "Guckt mal: Mit meiner Werbung hat mein Kunde keinen Cent mehr Umsatz gemacht - aber ich habe dafür einen Preis gewonnen! Bin ich nicht ein geiler Typ?" So scheint es mir in mancher Werbeagentur zuzugehen.

W&V meldet: "107 Arbeiten kämpfen um Awards: Der Art Directors Club für Deutschland (ADC) schickt in diesem Jahr 107 Gewinnerarbeiten zum ADC of Europe nach London".

Wem nützen eigentlich diese Werbepreise (Awards)? Doch wohl nur dem Ego der Agenturmenschen. Ein Wettbewerb zur Befriedigung der Eitelkeit. Die Awarderitis unter den Werbefuzzies nervt, führt in die falsche Richtung. Warum muss Kreativleistung mit einem Preis belohnt werden? Ich sehe Werbung als Handwerk, bei dem am Ende das Ergebnis zählt: Klingelt es beim Agenturkunden in der Kasse oder nicht?

Was wird bei der Award-Vergabe beurteilt?

Und wie will man schon Kreativleistung objektiv beurteilen? Die Preisvergabe ist ein merkwürdiges Prozedere: Werber sitzen in einer Jury über andere Werber zu Gericht. Wird da stets die reine Leistung beurteilt? Welche Rolle spielen persönliche Sympathien und Animositäten? Der "Nasenfaktor" als Erfolgsrezept? Wird am Ende derjenige prämiert, der mit den Jurymitgliedern am besten kann?

Preisgekrönte Werbung ist nicht immer kommerziell erfolgreiche Werbung

Die Kunden von Werbeagenturen sollten sich vor einem Denkfehler hüten: Gewinnt eine Agentur Awards, garantiert dies noch lange nicht, dass ihre Werbung auch Wirkung entfaltet. Vielleicht bedeuten die Awards nur, dass die Agentur bei der Jury am besten sich selbst in Szene gesetzt und Speichel geleckt hat?

Antworten

Es geht auch nicht um schnödes Handwerk, sondern um Kunst. Weshalb heißt der Art Director sonst Art Director und nicht einfach z.B. Abteilungsleiter Grafik?
Künstler benötigen seit jeher einen Mäzen. Diesen finden sie heutzutage in den Vorstandsetagen der großen Konzerne.
Und da beide (Künstler und Vorstand) sehr eitel sind, wollen sie auch prämiert werden. Der Künstler kann dann mit Stolz behaupten: Schaut her, das ist meine ausgezeichnete Kunst (zahlt mir deshalb mehr)! Der Vorstand brüstet sich mit: Schaut her, das ist mein ausgezeichneter Künstler, den hab ich ausgesucht (zahlt mir deshalb mehr)!

Oder hat Werbung noch einen anderen Zweck?
;-)

[ Von: Wolfgang am 13.07.04 um 13:00 Uhr ]

Wolfgang, Deine Argumente überzeugen mich. Ich hoffe, Du verzeihst mir mein Missverständnis, dass ich Werbung für ein Handwerk gehalten habe, das sich der Betriebswirtschaft unterwerfen muss (sprich, dass es mehr Geld bringen muss, als es kostet). Was ist schon schnödes Geld gegen Ruhm und Ansehen, das mit einem Award verbunden ist?

[ Von: Max Zorno am 13.07.04 um 14:44 Uhr ]

Da kann ich nur zustimmen:

- Eine Beratertussi in Stiefeln ist das gleiche wie eine Muse.

- Leute, die Ideen klauen wo sie nur können, weil ihnen keine Neuen mehr einfallen sind Genies.

- Fettige Haare und ewig-junge Kleidung sind ein Zeichen von Inspiration und Schöngeist.

- Und Pixelschubser mit handwerkern zu vergleichen ist Blasphemie.

- Werbung ist Kunst! Die Kultusminister sollten die plakatierung öffentlicher Flächen mit 18/1 Kunst unbedingt fördern!!!!!

Hach wir sind alle so kreativ!
( Uns fällt jeden Abend eine neue Wixvorlage ein. )

MfG, .text.er

[ Von: Weltregierung am 13.07.04 um 15:36 Uhr ]

@Max:
Wo kämen wir denn hin, wenn sich Werbung dem betriebswirtschaftlichen Diktat beugen müsste? Freiheit für die Künstler und die Kunst!

@Weltregierung:
Die Förderung von Werbekunst mit öffentlichen Mitteln ist eine super Idee! Vielleicht könnten wir gleich noch einen Fonds für Not leidende Promi-Testimonials einführen, sind ja auch meist arme Schlucker, die von den ausbeuterischen Kapitalistenkonzernen vor den Karren gespannt werden.

;-)

[ Von: Wolfgang am 13.07.04 um 22:26 Uhr ]

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