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Freitag, 03. September 2010
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Bild Marketingberater Max Zorno

Zorno.de ist die Gedanken-Sammlung von Christian Rothe, Marketing-Berater:

"Bei mir finden Sie Rat und Tat in Marketingfragen.
Ich wäre erfreut, wenn ich mir mit meinen Leistungen Ihr Vertrauen erarbeiten dürfte."

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Ein Druck auf Taste Europe lässt die Happy Digits tanzen

Schon mal von "Taste Europe" gehört? Was mag unter diesem Motto vermarktet werden? Vielleicht ein Drückknopf irgendwo auf dem Kontinent? Die Werbeagentur bringt etwas Licht ins Dunkel: "Vernetzte Kommunikation von der Business Lounge über die Terminals bis zur Kabine lassen "Taste Europe" für den Fluggast zum Erlebnis werden." Aha, es geht also ums Fliegen. Was wird passieren, wenn der Pilot die "Taste Europe" drückt? Wäre es sicherer, wenn wir zukünftig doch lieber mit der Bahn reisen?

Bevor Sie jetzt hektisch Ihre Billigflüge stornieren: "Taste Europe" steht ganz harmlos für "Schmecken Sie Europa". Mit diesem Spruch kredenzt die Lufthansa ihren Fluggästen Essen aus fünf europäischen Regionen. "O2 can do", "Mixpower"; "Smartphone." Englische Werbesprüche und Produktnamen sind alltäglich geworden - und mit Ihnen die Gefahr, dass ein Anbieter von potenziellen Käufern nicht verstanden wird.

Taste-Europe-Prospekt der Lufthansa
Taste-Europe-Prospekt der Lufthansa

Schlechte Englischkenntnisse in der Bevölkerung

Marketiers überschätzen die Englischkenntnisse des Durchschnittsdeutschen

Es steht nicht gut um die Englischkenntnisse der Deutschen: In Schweden, den Niederlanden und Dänemark sprechen knapp 80 Prozent der Bevölkerung Englisch, hierzulande nur 52 Prozent. Nur 21 Prozent aller Deutschen und gar nur 6 Prozent der Ostdeutschen schätzen ihre Englischkenntnisse als "sehr gut" ein. Viele Deutsche kommen nicht mit Englisch zurecht, obwohl sie es ab der fünften Schulklasse gelernt haben. Nach Studien des Hamburger Hans-Bredow-Instituts können nur 31,5 Prozent der Deutschen über 18 Jahren Nachrichtensendung im Fernsehen oder einen Zeitungsartikel in Englisch "zumindest ungefähr" verstehen. Selbst Leute, die ihre Kenntnisse als "sehr gut" charakterisieren, verstehen im Durchschnitt nur 80% von englischen Begriffen. Dies fand die Webagentur Argonauten heraus, als sie in einer Studie die Verständlichkeit von typischen Internetbegriffen wie "Homepage", "Chat" oder "Sitemap" untersuchte. (Quellen: http://www.wuv.de/daten/studien/122001/430/index.html und Die Zeit, 38/2001)

Diese Erkenntnisse stören die Unternehmen kaum - sie werben weiter auf Englisch. Englisch soll wohl weltläufig und international wirken, Modernität und Fortschritt transportieren. "Wat de Buer nicht kennt, dat fritt he nich", lautet eine westfälische Weisheit ("Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.") Doch genau dies scheinen manche Firmen von ihren Kunden zu erwarten: Doch warum soll der Kunde ein Produkt kaufen, dessen Namen er nicht versteht? Von der Aussprache englischer Marketingslogans wollen wir erst gar nicht reden...

Was ist an dieser Post noch deutsch?

Die Deutsche Post AG (DEUTSCHE!) teilt sich auf in die Geschäftsbereiche "Mail", "Express", "Logistics" und "Finance". Im Internet bietet sie "Online-Services" an, im Bereich "Paket" drängt sie uns "Express Logistics Solutions", "Supply Chain Management" und "Versandequipment" auf. Natürlich sind wir begeistert von Produkten wie "Domestic", "Europack" und "Freeway Paketmarke". Was mag sich hinter "eShipping" mit "eSolutions", "Web Shipping" und "DHL Interactive" verbergen? Auf folgendem Schnappschuss der Paketseite habe ich alle englischen Begriffe grün markiert. Die Post redet ein wunderbares Kauderwelsch aus Deutsch und Englisch: Denglisch vom Feinsten!

Screenshot Deutsche Post Euroexpress
Screenshot Deutsche Post Euroexpress - Alle englischen Begriffe sind grün markiert
(http://www.euroexpress.de/dhl?lang=de_DE&xmlFile=940)

Leider ist die Post inkonsequent und patzt ungeheuerlich: Wie konnte sich nur der "NOCH HEUTE SERVICE" auf die Seite verirren? Der Zweck dieser Dienstleistung wird sofort aus ihrem Namen ersichtlich. Hätte die Post nicht auch den "SAME DAY DELIVERY"-Dienst erfinden können?

Weltmeister im Verhohnepipeln der Sprache: Deutsche Telekom

Ob die übermäßige Verwendung von englischen Phrasen Absicht, Gedankenlosigkeit oder Dummheit ist?

Die Deutsche Telekom AG hat es zur Meisterschaft im Denglisch gebracht. Sie betreut kleine Geschäftskunden im Bereich "Small Business", bietet "XtraPacs" und "Location Based Services" an. Unübertroffen sind die Business-Lösungen: Dort warten "Office Solutions" und "Desktop Services" auf den Kunden - und als besonderer Höhepunkt (äh, ich meine Highlight) die "Contact Routing Solutions". Sie wollen wissen, was sich dahinter verbirgt? Ganz einfach: "Contact Routing Solutions" bestehen aus "Interactive Voice Response", "Contact Net Detector", "Automatic Call Distribution" und "Virtual Communication Center". Alles klar? Hier ein Schnappschuss der Produktinformationen:

Screenshot Deutsche Telekom
Screenshot Deutsche Telekom - Alle englischen Begriffe sind grün markiert
(http://business.telekom.de/produkte/verteiler.php?p_id=379)

Die Telekom versteht, zu scherzen. In der linken Navigationsleiste bietet sie uns dieselben Produkte nochmals an (Link türkis markiert) - allerdings in englischer Sprache. Man will uns obige Schimpansensprache wohl als Deutsch verkaufen. Seltsamer Humor...

Falsch verstanden: Denglisch als Unternehmensphilosophie?

Für Privatkunden hat die Telekom "Happy Digits" im Programm. Schlichte Gemüter verstehen darunter Ziffern wie "Null", "Eins", "Neun". In der Realität handelt es sich um Bonuspunkte. Manche Menschen denken bei "Happy Digits" auch an anderes: "6" (Sex) oder "69".

Wenn die Wörter fremden Ursprungs sind, braucht es niemanden zu wundern, dass auch die Ideen von anderswo kommen.

Johannes Gross

Jeder Scheißdreck soll mit einem englischsprachigen Etikett in begehrenswerten Ware verwandelt werden.

Ortsgespräche heißen bei der Telekom neuerdings "City Calls". Welch gelungene Wortschöpfung! Ob meine Freundin am anderen Ende der Leitung jetzt ein "City Callgirl" ist?

Was kann der Kunde mit schlechten Englischkenntnissen tun? Zu "The Telephone People" (Arcor) wechseln oder zu "Ooohh-tuuh" (O2)? Oder gar "for a better understanding" einen Sprachkurs bei "o.tel.o" belegen?

Die Autoindustrie macht es kaum anders: "Jeder BMW 5er war ein Kind seiner Zeit, aber immer auch der Zeit voraus, ein Trendsetter, ein Top-Act. [...] Adaptives Kurvenlicht, Aktivlenkung und Dynamic Drive machen ihn erneut zu einem der fahraktivsten Fahrzeuge der Welt. Gleichzeitig sorgen das Head-Up Display, ein unvergleichlicher Innenraumkomfort und das Bediensystem iDrive für Fahrvergnügen der Extraklasse", dichtet BMW in der Broschüre "BMW 5er Evolution". Top-Act und Dynamic Drive - müssen wir alles verstehen? Findet der Top-Act im Wald auf der Rückbank statt? Kann man auf der "Kopf-hoch Anzeige" dazu die passenden Regieanweisungen lesen?

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"Den smart forfour live sehen - smart forfour together on tour", wirbt die smart GmbH. Neben Autos verkauft smart den Freunden der Marke allerhand Tand als "smartware - accessories for urban lives": Rucksäcke, Baumwollhemden, Sonnenbrillen, Kaffeetassen werden in den Kategorien "bags", "fashion", "modelcars" und "accessoires" der "collection 2003" angeboten:

Screenshot smartware
Screenshot smart smartware (von mir bearbeitet)
(http://www.smart.com/smart/images/swf/smartware/smartware.jsp?language=de&country=de)

Warum sich das französische Wort "accessoires" unter die englischen Begriffe mischen durfte, bleibt das Geheimnis der "smarten" Denglischexperten. Wenn schon, denn schon: Hätte es nicht "accessories" mit "ie" am Ende heißen müssen? "open your mind" lautet smarts Devise. Will das Unternehmen so wirklich Kunden gewinnen? Ich finde, die haben doch eine "Crossblade" vorm Kopf...

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