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Freitag, 12. März 2010
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Bild Marketingberater Max Zorno

Zorno.de ist die Gedanken-Sammlung von Christian Rothe, Marketing-Berater:

"Bei mir finden Sie Rat und Tat in Marketingfragen.
Ich wäre erfreut, wenn ich mir mit meinen Leistungen Ihr Vertrauen erarbeiten dürfte."

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Versager-Website vergrätzt teuer geworbene Kunden

Der Stier stürmt aus dem beengten Dunkel der Katakomben in die lichtvolle, lautstarke Stierkampf-Arena. Für ihn beginnen die grausamen letzten zwanzig Minuten seines Lebens, für die er fünf Jahre lang in Freiheit leben durfte. Der Stier rennt gegen den Tuchschwenker an. Der Torero beweist seinen Mut und seine Geschicklichkeit. Der Stier bebt, wirkt stark und überlegen. Doch am Ende der Corrida stößt der Torero dem Stier sein Schwert in den Nacken und tötet ihn.

Stiere machen Fernsehwerbung

Man sollte eigentlich im Leben niemals die gleiche Dummheit zweimal machen, denn die Auswahl ist so groß.

Bertrand Russell

Der Stier hat nie eine echte Chance besessen, sein trauriges Schicksal war vorgezeichnet. So wie dem durchschnittlichen spanischen Wettkampfstier ergeht es den Werbemaßnahmen der "PREFA GmbH Alu-Dächer und Fassaden". Unter dem Motto "Das Dach, stark wie ein Stier" will uns Prefa jeden Abend auf DSF (Deutsches Sportfernsehen) seine Produkte schmackhaft machen. Hier der entsprechende Werbespot, der mehrfach in den Werbepausen von "Bundesliga aktuell" (täglich zwischen 18:30 bis 19:45 Uhr) läuft:

Schnappschuss der Werbung
Werbung der PREFA GmbH im Deutschen Sportfernsehen (Schnappschuss vom Oktober 2003)

Der Text des Werbespots: "Wichtige Nachricht an alle, die jetzt ihr Dach erneuern wollen! Sie haben die Wahl zwischen einem herkömmlichen Dach oder einem Dach der Zukunft. Prefa - das Dach der Zukunft. Stark wie ein Stier. Mehr unter www.prefa.de."

Viel versprechendes Mehr-Kanal-Konzept (Multichannel-Marketing)

Hinter der Prefa-Werbung steckt eigentlich ein schlauer Gedanke – eine Idee, die - richtig angewendet - Erfolg verspricht: Über Fernsehwerbung lockt man die Leute an und leitet sie auf die eigene Website weiter. Der Webauftritt erledigt dann den Rest, verwandelt Interessenten in echte Kunden.

Der Magnet steht für die Werbung, die den Kunden anlockt, der Zauberstab für eine verkaufsstarke Online-Site, die potenzielle Kunden zum Kaufen veranlasst.

Magnet und Zauberstab
Grundprinzip erfolgreichen Onlinemarketings

Die Website muss dabei wie ein Zauberstab wirken: Sie muss einen potenziellen Kunden, der wage interessiert ist, tiefer in eine Kaufsituation hineinziehen und seine Kaufentscheidung vorantreiben.

Hoher Informationsbedarf bei Kaufentscheidung bietet Chancen für den Vertrieb / Verkauf

Nehmen wir einmal an, wir sind als Häuslebauer oder Renovierer an einem neuen Dach interessiert: Dann bringt uns die Prefa-Fernsehwerbung mächtig ins Grübeln:

  • Was ist der Unterschied zwischen einem herkömmlichen Dach und dem angeblich so zukunftsträchtigen Prefa-Dach?
  • Welche Nachteile hat ein konventionelles Dach?
  • Was sind die Vorteile eines Prefa-Dachs?
  • Wie teuer kommt uns das Dach der Zukunft?

Fragen über Fragen… auf die uns Prefa Antworten im WWW verspricht: "Mehr unter www.prefa.de" Prefa hat uns neugierig gemacht. Was liegt also näher, als die Kampfstiere der Bedachungsbranche tatsächlich im Internet zu besuchen? Ich erwarte, dass auf der Website nun Stufe 2 der Vertriebsrakete gezündet wird, dass ein Feuerwerk der Informationen uns verunsicherte Häuslebauer in gläubige Prefa-Jünger verwandelt: "Stier Prefa, geheiligt sei Dein Name, Deine Stärke sei mit uns…"

Ein Anbieter, der auf der ganzen Linie enttäuscht

Schauen wir auf der Prefa-Internetseite nach, welche Argumente für Prefa-Dächer wir finden können. Doch was entdecken wir dort? Wenig, sehr wenig! Es gibt viele Bildern von Dächern, aber keine Textinformationen. Wenn ich Dächer angucken will, dann gucke ich aus meinem Fenster auf die Nachbarhäuser, aber nicht ins Web. Was völlig fehlt, ist die Erklärung, warum wir ein Dach von Prefa kaufen sollen und kein herkömmliches. Der Link "Infomaterial" führt auf ein Bestellformular für Prospekte – nicht gerade das, was wir uns vom Onlinemedium Internet erwarten. Ich denke mir: "Die Prefas haben doch einen Ziegel locker, uns Kunden mit einem solchen Info-Vakuum abzuspeisen."

Viele bunte Bilder, aber keine sinnvollen Inhalte - das ist www.prefa.de.

2 Screenshots
"Infoseiten" auf der Prefa-Internetseite (Schnappschuss aus dem November 2003)

Machen Sie sich selbst einen Eindruck von der Prefa-Webseite: http://www.prefa.de

Wenn Kaufentscheidungen mit dem Kopf getroffen werden, sollte eine Website den Besucher gut informieren

Eben noch waren wir wissbegierig und aufnahmebereit für Informationen - schließlich ist ein Dach etwas, was man mit dem Kopf kauft. Für den Anbieter wäre es eine ideale Möglichkeit gewesen, seine Verkaufsargumente an den Mann zu bringen. Einen wissbegierigen Kunden auf der eigenen Internetseite mit Informationen versorgen zu dürfen, ist für einen gewieften Verkäufer wie ein Elfmeter ohne Torwart. Leider versiebt Prefa diese Chance kläglich und ballert am leeren Tor vorbei. Wir finden keine Antworten auf unsere Fragen, die uns ins Internet getrieben haben.

Lieblos gemachte Website verscheucht potenzielle Kunden

Solange wir nicht wissen, ob und warum wir ein Prefa-Dach wollen, interessieren uns die anderen Navigationspunkte wie "Verarbeitersuche" nicht weiter. Dass der Navigationspunkt "Architekt" ohne Funktion ist, rundet den negativen Gesamteindruck ab. Folglich sind wir so schnell verschwunden, wie wir auf prefa.de gekommen sind.

Erstaunlich, wie lieblos die Internet-Toreros von Prefa zu Werke gegangen sind. Am Geld kann es nicht gelegen haben: Wer ein Budget für Fernsehwerbung hat, sollte auch Geld für eine vernünftige Website locker machen können. Nach meiner Meinung hat Prefa mit seiner Internetseite am falschen Ende gespart: sie wirkt wie ein Billigprodukt, das keine 5.000 Euro gekostet hat. Deshalb sieht die traurige Realität im Prefa-Marketing so aus:

Die Prefa-Internetseite ist alles andere als ein magischer Zauberstab, der aus Interessenten echte Kunden macht.

Magnet und Vogelscheuche
Marketing, wie es Prefa macht

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Gegenüber dem, was möglich wäre, dürften die Resultate des Prefa-Marketings mickrig sein. Dass ein Mittelständler seine Marktchancen so versaubeutelt, regt mich "stierisch" auf. Ich bin gespannt, ob und wann bei Prefa der geschäftsführende Torero seinem Marketingleiter-Stier das Schwert in den Nacken stößt. Besser wär’s.

Nachtrag im September 2004: Prefa hat die Kritik tatsächlich aufgenommen: Die Firma hat mittlerweile ihre Website überarbeitet und erste halbwegs brauchbare Inhalte hinzugefügt - z.B. "Die acht Vorteile von Prefa-Dächern". Mein Artikel auf dieser Seite bleibt aber unverändert - mir ging es nicht um eine spezielle Kritik an Prefa. Mein Artikel zeigt vielmehr grundsätzliche Missstände auf, die im WWW tausendfach anzutreffen sind. Viele Internetseiten sind Versager-Websites und benötigen mehr Fleisch bei den Inhalten.

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