Zorno.de ist die Gedanken-Sammlung von Christian Rothe, Marketing-Berater: "Bei mir finden Sie Rat und Tat in Marketingfragen. |
Heute schon gepoppt? Werbung, die nervtWer eine Plage im Internet sucht, wird bei Pop-Up-Fenstern fündig: Man geht auf eine Website, um sich zu informieren. Plötzlich gehen aus dem Nichts weitere Fenster auf und preisen Dinge an, die die Welt nicht braucht: Neue Produkte, den "Mega-Preishit", Gewinnspiele, das Grußwort vom Chef. Pop-Ups, das sind die Fenster, die mich immer irgendwo hineinziehen wollen, wo ich gar nicht hinein möchte. Dabei gehen sie so aufdringlich vor wie Türsteher vor Kneipen auf der Reeperbahn: "Kommen Sie rein, die Puppen tanzen auf den Tischen, Pils nur 5 Euro." Der Verstand und die Fähigkeit, ihn zu gebrauchen, sind zwei verschiedene Gaben. Franz Grillparzer Kaum eine Werbeform ist aus Sicht der Psychologie größerer UnsinnQuelle, Obi, Telekom - viele große Firmen verwenden Pop-Up-Werbung, z.B. wenn man auf deren Website kommt. Soll man Pop-Ups also für ein gutes Werbemittel halten, wenn die großen Fische sie einsetzen? "Unsere Kunden reagieren in großer Zahl recht positiv auf dieses neue Instrument", behauptet Obi. Klare Antwort: Nein, Pop-Ups sind Unfug! Es ist logisch, warum dies so ist: Ein Internetnutzer verfolgt ein Informationsziel, wenn er durchs Netz surft. Pop-Up-Werbung bedeutet dabei eine Ablenkung; in 99% aller Fälle führen die Pop-Up-Inhalte vom Informationsziel weg. Beim Besuch auf http://www.telefonbuch.de will ich eine Telefonnummer recherchieren (wer hätte es gedacht?). Doch plötzlich schleudert mir der Stern ein Pop-Up entgegen und lädt mich ein, sein Blatt zu abonnieren. Nein, liebe Schreiberlinge, ich möchte kein Abo und keinen Superschnäppchen-Organizer - ich möchte eine Telefonnummer! ICH MÖCHTE EINE TELEFONNUMMER, MERKT EUCH DAS! Was liegt also näher, als das Pop-Up unbeachtet wieder zuzuklicken? Zwei Werbetreibende auf dem Holzweg: Ich will kein Stern-Abo. Und auch der Anbieter hinter dem Werbe-Banner ist schief gewickelt: Die Infos, die mich interessieren sind ausschließlich Telefonnummern. Deshalb wird die Werbung nicht beachtet. Pech für den Werbetreibenden, der dafür viel Geld investiert hat. ![]() Pop-Up-Werbung des Sterns bei www.telefonbuch.de Pop-Ups bieten langfristig nicht mehr Werbewert als Bannerwerbung"Pop-Ups zuklicken und vergessen - worin besteht also Dein Schaden, lieber User?" werden die Pop-Up-Verfechter fragen. Zunächst einmal hat die Firma den Schaden, die mit Pop-Ups wirbt: Sie verplempert Geld für eine Werbeform, die aus nahe liegenden Gründen nichts bringt. Die Klickraten für Banner sind ins Bodenlose gefallen- nur noch 2 bis 5 von 1000 eingeblendeten Bannern wird tatsächlich angeklickt. Warum sollte dies bei Pop-Up-Werbung anders sein? Ich hätte mir einen netten Urlaub leisten können, wenn ich das Geld bar ausgezahlt bekommen hätte, das die Firmen für die Pop-Up-Fenster gezahlt haben, die ich in meinem Leben schon weg geklickt habe. Sie wollen Ihre Kunden noch erfolgreicher ansprechen? Pop-Ups vergraulen die potenzielle KundschaftAußerdem hätte ich dieses Geld als Schmerzensgeld verdient: Pop-Ups kosten Ladezeit und Wartezeit! Pop-Ups nerven! Pop-Ups sind ungefähr genauso willkommen wie ein Rosenverkäufer, der beim Candlelight-Dinner im Restaurant vorbeikommt: "Der Herr, scheene rote Rose für die Fraulein?" Man stelle sich einen Rosenverkäufer vor, der alle 5 Minuten kommt - so wie das durchschnittliche Pop-Up-Window. Verfechter von Pop-Up-Werbung werden meine Geschäftsidee liebenDas bringt mich gerade auf eine geniale Geschäftsidee: Der Pop-Up-Rosenverkäufer. Ich konstruiere den ersten Pop-Up-Rosenverkäufer der Welt! Jedes Mal, wenn der Restaurantgast mit der Gabel den nächsten Bissen aufspießt, taucht neben dem Tisch aus dem nichts der Pop-Up-Rosenverkäufer auf: "Der Herr, scheene rote Rose für die Fraulein?" Und beim nächsten Bissen poppt er wieder auf: "Der Herr, scheene rote Rose für die Fraulein?" Ja, liebe Pop-Up-Fans unter den Marketiers, wenn Euch die Pop-Up-Fenster so toll gefallen, dann werdet Ihr mir den Pop-Up-Rosenverkäufer doch sicherlich aus den Händen reißen? Wer beruflich Pop-Up-Werbung macht, den dürfte doch der Pop-Up-Rosenverkäufer beim nächsten Abend im Lokal nicht stören, oder? Was nun als nächstes?
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