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Freitag, 12. März 2010
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Bild Marketingberater Max Zorno

Zorno.de ist die Gedanken-Sammlung von Christian Rothe, Marketing-Berater:

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Der Mann im Grünen Trikot & die Nackte auf dem Klavier

Didi Senft hat sich Weltruhm erarbeitet in den vergangenen 13 Jahren. "Didi Wer?", werden viele von Ihnen jetzt fragen. Die wenigsten kennen seinen Namen, die meisten dafür sein Gesicht. Als Tourteufel "El Diabolo" erscheint Didi Jahr für Jahr auf den Bildschirmen dieser Welt - bei jeder Tour de France Etappe circa 25 bis 30 Kilometer vor dem Ziel.

Didi Senft ist der einzige berufsmäßige Radsportfan der Welt. Jetzt haben ihn BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN für sich entdeckt. Statt im gewohnten Outfit tanzte Didi bei der Tour de France 2005 bei der 11. Etappe in einem grünen Kittel herum. Aufgedruckt waren Partei-Logo und Webadresse "www.gruene.de" (siehe Bilder): Werbe-Blödsinn aus dem Bilderbuch!

El Diabolo
"Tourteufel" Didi Senft bei der Tour de France 2005
Links: In "normaler" Verkleidung (bei meinem Radsportverein RSG Ried Rastatt am 08.07.2005)
Rechts: In Sonderverkleidung "Bündnis 90/Die Grünen" (Logos & Schrift der Grünen rot markiert)

Traditionelle Werbung ist aufdringlich und ich-bezogen

Spontan kommt mir Martin Nitsche, Chef der Werbeagentur Proximity, in den Sinn. Im brand-eins-Heft 06/2005 erklärt er in einem putzigen Bild, wie traditionelle Werbung funktioniert:

Wenn Werbung auf mögliche Kunden trifft, sagt er, sei das ungefähr so, als ob jemand auf eine Party kommt und niemanden kennt. Die klassische Unterbrechungswerbung, sagt er, "stellt sich aufs Klavier, zieht sich aus und fängt an zu tanzen". Das aber nerve die Leute nur noch, die mittlerweile wissen, wie eine nackte Tänzerin auf einem Klavier aussieht.

Die Werbung der Zukunft ist zurückhaltend und dialogorientiert

Natürlich hat Martin Nitsche auch einen Ausweg aus diesem Dilemma parat:

Die neue Werbung hingegen stelle sich leise zu einem Grüppchen von Gästen, das aussieht, als passe es gut zu ihr. Sie plaudere mit den Leuten, um herauszufinden, was sie wollen und mache hier und da einen witzigen Kommentar: "So beginnt ein Gespräch." Und dann ist er da, der Dialog.

Das grüne Hemd der Idiotie

Die Werbung der Grünen ist dagegen nur platt, idiotisch und schlecht gemacht - wie der Tanz der Nackten auf dem Piano:

Diffuses Ziel: Was bezweckt diese Aktion? Angeblich soll sie unter dem Slogan "Weg vom Öl" gestanden haben. Doch können Sie diese politische Aussage entdecken? Es geht also eher um bloße Aufmerksamkeit. Nur Traumtänzer können hoffen, damit den Bekanntheitsgrad einer etablierten Partei zu steigern. Aus Sicht der Grünen ist ein Didi-Senft-Sponsoring vergeudetes Geld.

Verwechslungsträchtige Symbolik: Es im Umfeld der Tour de France mit der Farbe Grün zu versuchen, lässt mich den Kopf schütteln. Es besteht nämlich Verwechslungsgefahr: Die Farbe Grün steht im Tour-Kontext für den besten Sprinter; er trägt das Grüne Trikot. Ein grüner "Kittel" wird von der Mehrzahl der Zuschauer folglich als Hommage an den Mann mit den schnellsten Beinen verstanden - und nicht als Bezug auf die grüne Partei. Die Sachlage wäre anders, wenn ein unbekannter Wurstfabrikant, der Schweinchenrosa zur Firmenfarbe erkoren hat, den Didi Senft für andersfarbige "Dienstkleidung" bezahlt hätte. Eine ganz ungewöhnliche Farbe hätte vielleicht Wirkung gezeigt.

Mehrdeutigkeit des Werbeträgers: Die meisten Leute kennen Didi Senft von Radsportübertragungen aus dem Ausland. Welcher Normalbürger weiß schon, dass er aus Deutschland kommt und für eine deutsche Partei Werbung läuft? Die Chance ist gering, dass sein grünes Kostüm vom Zuschauer korrekt Bündnis 90/Die Grünen zugeordnet wird.

Miese Gestaltung: Logo und Schriftzug sind viel zu klein. Die Heroen der Landstraße rauschen mit 30 km/h (am Berg) oder mit 50 km/h (in der Ebene) an ihrem Edelfan vorbei. In der gewählten Größe ist die Grünen-Werbung auf seinem Leibchen für den Fernsehzuschauer nicht erkennbar. Mit etwas Glück erscheint ein Bild vom grünen Didi in Radsport-Blättern; aber diese werden nur von einer kleinen Randgruppe gelesen.

Fazit: Didi Senft hat das Dasein als Radsportfan zu seinem Beruf gemacht. So nützt das Sponsoring durch die Grünen wenigstens ihm; gönnen wir es ihm von ganzem Herzen!

Grün - Farbe der Hoffnung

Für die Agentur, die sich diesen Nonsens ausgedacht hat, habe ich einen Vorschlag für den kommenden Betriebsausflug parat: Wie wäre es mit einem Traininglager? Z.B. einer Radtour über den Col du Galibier (17 km Anstieg mit 1246 Höhenmetern) mit anschließender Bergankunft in Alpe d' Huez (13 km Anstieg mit 1130 Höhenmetern)?

Ausdauertraining regt die Durchblutung des Hirns an, steigert die geistige Leistungsfähigkeit. Quält Euch, Ihr Säue! Damit's wenigstens mit der nächsten Werbeidee klappt. Man soll die Hoffnung nie aufgeben.

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