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Freitag, 03. September 2010
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Bild Marketingberater Max Zorno

Zorno.de ist die Gedanken-Sammlung von Christian Rothe, Marketing-Berater:

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Plakate, die niemand erkennt

Plakate sollen bekannt machen: Produkte, Firmen, Menschen, Verkaufsaktionen. Deshalb wurden im Jahr 2002 über 464 Millionen Euro in Plakatwerbung gebuttert (Quelle: Bauermedien). Diese gewaltige Summe sollte für die Plakatgestalter Verpflichtung sein, gewissenhaft zu arbeiten. Doch was machen manche Menschen in der Branche? Sie pfuschen gewissenlos!

Plakate, die den Kunden nicht erreichen

Jede Dummheit findet einen, der sie macht.

Tennessee Williams

Hier im Visier: Plakatwerbung an der Bushaltestelle. Wer kennt sie nicht, diese Meisterstücke der modernen Stadtmöblierung, die Wartehäuschen mit integrierter Werbefläche? Ihre Werbung richtet sich an (wartende) Buspassagiere und vorbeifahrende Autofahrer. Es hat sich jedoch nicht bis zu den Plakatdesignern herumgesprochen, dass mehr Leute lieber in der eigenen Kutsche reisen als im Bus: Sie pinseln ihre Plakate wohl nur für Schüler und Rentner, die mal wieder 15 Minuten auf die verspätete Linie 12 warten müssen und aus Langeweile Löcher in die Luft und die Plakate gucken. Genügend Plakate versagen: Auf ihnen kann kein Mensch IM VORBEIFAHREN erkennen, wer dort wirbt und für was geworben wird. Damit erreichen diese Plakate nur den kleineren Teil seiner Zielkundschaft (und den nicht so zahlungskräftigen dazu - denn außerhalb der Metropolen fahren nur die armen Schlucker Bus, die sich kein eigenes Auto leisten können.)

Lassen Sie uns folgende zwei Beispiele für armseligen Plakatpfusch anschauen:

1. Decathlons Werbung für den Sommerschlussverkauf

Decathlon (http://www.decathlon.de) kommt aus Frankreich und ist ein großer Sportartikelhändler mit 300 großen Sport-Supermärkten weltweit. Seit 1986 ist Decathlon auf dem deutschen Markt vertreten - hier zu Lande sollte sich Decathlon also auskennen. Gucke ich mir jedoch die Werbung für den Sommerschlussverkauf an, legt sich meine Stirn vor lauter Zweifeln in Falten:


Dies nimmt der Autofahrer wahr.

Schwachpunkt 1: Decathlon stellt das französische Wort "SOLDES" in den Mittelpunkt. SOLDES heißt Schlussverkauf und keiner versteht es: Wissen die Decathlons etwa nicht, dass nur eine kleine Minderheit der Deutschen Französisch spricht und dass die Mehrheit mit diesem Begriff gar nichts anfangen kann? Besser kann Decathlon nicht an seinen Zielgruppen vorbei zielen - très élégant, Messieurs Dames!

Schwachpunkt 2: Das Logo ist ungeschickt positioniert, wird nicht wahrgenommen: "SOLDES" und der Strichcode ziehen in der Plakatmitte die erste Aufmerksamkeit auf sich. Dann folgt der Mensch seinen Gewohnheiten und liest nach unten weiter. Beim Vorbeifahren erkennt er so eben noch die Unterzeile "Auf die Schnäppchen - fertig - los". Es ist unmöglich aus der Entfernung die Adresse zu erkennen - denn dazu ist die Schrift viel zu klein.

Schwachpunkt 3: Normalerweise präsentiert sich Decathlon in den Firmenfarben Blau und Weiß (siehe Logo). Auf den ersten Blick bringt niemand das orangefarbige Plakat mit Decathlon in Verbindung.

Fazit: Nach der flüchtigen Betrachtung kennt der Betrachter einen neuen Begriff (bitte beim nächsten Mal Wörterbuch parat halten!) und weiß, dass es Schnäppchen gibt - aber nicht wo und bei wem.

2. Karlsbergs Bierplakat - "Das hat was", nämlich Schwachstellen

Das Bier für den Mann im Mann wird jetzt nur noch von Frauen und Eseln gekauft. Wer es nicht glauben mag, schaue aufs Plakat:


Dies nimmt der Autofahrer wahr.

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Schwachpunkt 1: Das Produkt ist für flüchtige Betrachter nicht erkennbar. Mit etwas Glück kann man sehen, dass ein grüner Bierkasten im Spiel ist. In Deutschland verkaufen bestimmt über 300 Brauereien Bier in grünen Kästen, die Farbe Grün steht also für Beliebigkeit. Der Kasten-Aufdruck ist viel zu klein, als dass man die Biermarke erkennen könnte.

Schwachpunkt 2: Der Anbieter ist nicht erkennbar. Das Logo und beiden Sprüche unten sind viel zu klein und bereits aus ein paar Metern Abstand nicht mehr lesbar. Außerdem binden Esel, "Abhol-Magd" und das Decoltée selbiger so viel Aufmerksamkeit, dass der Betrachter das untere Plakatdrittel glatt übersieht.

Fazit: In der Praxis ist auf dem Plakat nicht erkennbar, welches Produkt beworben wird und welche Firma dort wirbt. Das Plakat schaut schick aus; der Begriff "Abhol-Magd" hat Wortwitz - da haben sich die Kreativen wieder selbst verwirklicht und Arbeit ohne irgendeine messbare Verkaufswirkung abgeliefert.

Selbsterkenntnis der Plakatwerber

Die Werber Holger Jung und Jean-Remy von Matt (http://www.jvm.de/) meinen: "Kein Medium wird häufig so falsch gestaltet... Jedes zweite Plakat liefert seine Botschaft nicht ab. Viele davon sind glatter Betrug am Auftraggeber, weil sie nicht mediengerecht gestaltet sind." Deneke von Weltzien, Kreativchef der Agentur Jung von Matt rät: "Vergrößert das Logo, bis es wehtut und macht es dann noch mal doppelt so groß!" Herzlichen Glückwunsch zur Einsicht!

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