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Freitag, 03. September 2010
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Bild Marketingberater Max Zorno

Zorno.de ist die Gedanken-Sammlung von Christian Rothe, Marketing-Berater:

"Bei mir finden Sie Rat und Tat in Marketingfragen.
Ich wäre erfreut, wenn ich mir mit meinen Leistungen Ihr Vertrauen erarbeiten dürfte."

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Informationen spielen Verstecken

Jan Ullrich hat das Zeug zum Verkehrsrowdy: Seinen Porsche hat er schon einmal in Freiburg in ein Absperrgitter gelenkt. Und oft fährt er schneller als erlaubt. Wenn er kräftig in die Pedale tritt, erreicht er 50 bis 60 km/h. Bei Ortsdurchfahrten während eines Einzelzeitfahrens überschreitet er das innerörtliche Tempolimit damit beträchtlich. Er kann froh sein, dass die Polizei bei Radrennen lieber mit dem Motorrad vorausfährt als am Straßenrand die Kelle raus zu halten.

50 km/h mit eigener Muskelkraft zu fahren, ist beachtlich: Um 20 Meter zurückzulegen, benötigen die Männer mit den strammen Waden bei diesem Tempo weniger als 1,5 Sekunden.

Alles Wichtige auf einen Blick

Nur wenn man sich im Weg irrt, lernt man den richtigen Weg kennen.

Afrikanisches Sprichwort

Stellen Sie sich vor, dass Sie an einer Plakatwand vorüber fahren: Dabei stehen Ihnen auch ca. 1,5 Sekunden Zeit zur Verfügung, um zu erkennen, was dort beworben wird. Dies stellt hohe Anforderungen ans Plakatdesign. Der Gestalter muss alle wichtigen Infos so darstellen, dass Sie diese binnen 1,5 Sekunden erfassen können.

Stellen Sie sich weiter vor, dass auf dem Plakat eine Veranstaltung beworben wird; sie müssten auf einen Blick folgendes erkennen können:

  • Was: Um welche Veranstaltung geht es?
  • Wann: An welchem Termin ist die Veranstaltung?
  • Wo: An welchem Ort findet die Veranstaltung statt?

Ja, wo fahren Sie denn?

Schauen wir uns unter diesen Aspekten das Werbeplakat für den Auftakt der Deutschlandtour 2004 an:


Deutschlandtour-Plakat am östlichen Ortseingang von Kuppenheim (Baden)

Was erkennen wir innerhalb von 1,5 Sekunden? Offensichtlich nicht viel mehr als Namen und Art der Veranstaltung: "Deutschlandtour 04, Tour-Start 2004, Einzelzeitfahren."

Den genauen Termin zu entziffern ist kaum möglich, ebenso den Veranstaltungsort. Das Plakat besitzt gestalterische Fehler. Schauen wir sie uns im Detail an:

Großansicht
Plakat mit markierten Schwachstellen

Schlechte Farbwahl

Mit Mühe erkennen wir, dass es am 30. Mai losgehen wird. Dies sagen uns die drei schwarz-rot-goldenen Streifen am rechten Rand. Der dritte Termin am 31. Mai ist kaum zu erkennen: Die weiße Schrift auf gelbem Grund ist schlecht lesbar - das Auge bracht zu viel Zeit, um dieses optische Rätsel aufzulösen. Eine dunkle Schrift auf dem hellgelben Grund wäre viel besser lesbar.

Zu kleine Schrift

Können Sie erkennen, wo der Tour-Start stattfindet? Ganz oben steht es gaaaanz klein: "präsentieren in Karlsruhe" Und unten noooooooch kleiner: "Messe Karlsruhe". Aus 20 Metern können Sie diese Angaben kaum mehr erkennen - sogar mit den besten Adleraugen nicht.

Warum ist das Wort "citylightcontact" in größerer Schrift dargestellt an die Ortsangabe "Karlsruhe"? An einem Plakat ist etwas faul, wenn der Plakatgestalter sich selbst auffälliger präsentiert als eine der Top-3-Informationen, die das Plakat transportieren muss.

Miese Anordnung der Informationen

Die eitlen Fatzkes von citylightcontact haben eine weitere Gestaltungssünde begangen: Die größte (und damit potenziell wahrnehmbarste) Angabe des Veranstaltungsorts steht in einem andersfarbigen Feld als der Rest der Veranstaltungsinfos. Aus wahrnehmungspsychologischer Sicht ist dies eine miese Anordnung. Unser Hirn nutzt Hintergrundfarben, um zu entscheiden, welche Informationen zueinander gehören. Einfache Regel: Alles mit gleicher Hintergrundfarbe gehört zueinander. Ein Beispiel veranschaulicht dies:

Schaubild
Unser Gehirn entscheidet anhand der Hintergrundfarben, welchen Infos zusammengehören.

Auf das Deutschland-Tour-Plakat übertragen, bedeutet dies, dass unser Hirn wie folgt entscheidet:

  • Alle Infos im oberen weißen horizontalen Balken gehören zusammen.
  • Alle Infos im großen blauen Feld gehören zueinander.
  • Die Infos aus dem blauen und weißen und Feld haben eher wenig miteinander zu tun.

So wird das Plakat wahrgenommen

Gleichzeitig sehen wir, dass im blauen Feld die inhaltliche Musik spielt. Unser Hirn blendet also das weiße Feld aus ("unwichtige Sponsoren-Selbstdarstellung") und fokussiert die Aufmerksamkeit auf den blauen Bereich. Deshalb nehmen wir das Plakat folgendermaßen wahr:

Wahrnehmung
So nimmt Otto Normalverbraucher das Plakat wahr

Und was erkennen wir? Richtig, der Veranstaltungsort nicht richtig wahrgenommen (die Ortsangaben unter den drei Programmpunkten sind zu klein, um im Vorbeifahren überhaupt entziffert zu werden). Was nützt ein Plakat, das eine sehr wichtige Information nicht transportiert? Für mich ein klarer Fall von gestalterischem Betrug am Auftraggeber...

Internetseite etwas besser

Interessanterweise sind Handzettel und Internetseite der Deutschlandtour viel besser gemacht: Dort lesen wir in riesigen Lettern, wo das Rennen startet:


Screenshot der Deutschlandtour-Marketing-Website (Mai 2004)
http://www.kmkg.de/veranstaltungen/dtour/dtour_frameset.htm

Es geht besser - mit ganz einfachen Mitteln

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Hier meine "Fälschung" des Plakates, die die gestalterischen Fehler behebt:


Simple Lösung: Alle wichtigen Daten in großen Lettern darstellen.

Meine Verbesserung ist kein Geniestreich. Ich finde es beschämend, dass manche "Plakatprofis" solche einfachen, nahe liegenden Dinge nicht hinbekommen. Citylightcontact sollte sich besser wieder die gestalterischen Stützräder anschrauben und ins Trainingslager gehen... vielleicht gelingt dann ein erfolgreicher Tourauftakt im nächsten Jahr.

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