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Freitag, 03. September 2010
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Bild Marketingberater Max Zorno

Zorno.de ist die Gedanken-Sammlung von Christian Rothe, Marketing-Berater:

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Zickzack-Navigation - You drive me crazy

Dädalus ist ein erfolgreicher Webdesigner und Spitzenverdiener in seiner Branche, hat ein schickes Büro, kommt viel herum: London, Paris, Geislingen an der Steige. "Informationsarchitekt" steht auf der Visitenkarte, die Spezialität von Dädalus sind Navigationskonzepte. Er durfte schon für die Crème de la Crème der deutschen Konzerne arbeiten und Websites entwerfen.

Wer beim Bauen auf jeden Ratschlag hört, hat am Ende ein windschiefes Haus.

Dänisches Sprichwort

Die Vorgeschichte

Doch dies war nicht immer so; Dädalus war lange Jahre ohne richtige Arbeit, bevor er seine neue Berufung fand. Früher war er Baumeister und Erfinder im alten Griechenland. Sein bekanntestes Projekt war das Labyrinth, das er für König Minos auf Kreta schuf. Dort wurde Minotauros gefangen gehalten, ein menschenfressendes Ungeheuer, halb Mensch und halb Stier. Das Labyrinth war so geschickt gebaut, dass niemand den Ausgang fand und dem Minotaurus entkommen konnte. Dädalus verriet nur Ariadne, der Tochter des Minos, die Möglichkeit, dem Labyrinth zu entkommen. Sie wiederum half ihrem Geliebten, dem Theseus, das Ungeheuer zu erlegen und aus dem Labyrinth zu fliehen. Aus Zorn über die Flucht sperrte Minos Dädalus und dessen Sohn Ikaros in das Labyrinth ein. Da den Gefangenen der Ausgang verschlossen blieb, baute Dädalus Schwingen aus Wachs, so dass sie aus dem Irrgarten fliegen konnten. Ikaros kam aber der Sonne zu nahe. Das Wachs an seinen Flügeln schmolz, er stürzte ins Meer. Dädalus flog nach Sizilien, wo er von König Kokalos freundlich aufgenommen wurde.

In Italien schlug sich Dädalus einige Jahre mit Gelegenheitsjobs durch. Meistens war er arbeitslos, manchmal kellnerte er in einer römischen Espressobar, um das Nötigste zu verdienen.

Webdesigner mit zweifelhafter Qualifikation

Eines Tages machte Robert A. Süß in Rom Station. Robert hatte gerade eine Internetagentur in Nürnberg gegründet und wollte für ein paar Tage im Süden ausspannen. Beim Nachmittagskaffee wurde Robert von Dädalus bedient. Beide kamen ins Gespräch und Dädalus erzählte von seinem Traum, in der New Economy zu arbeiten. Robert spitzte die Ohren; es war jene Zeit, als in der Onlinebranche kaum Fachkräfte zu bekommen waren: Sofort bekam Dädalus eine Green Card und einen Job bei Roberts Agentur Arsmedium. Unterstützt durch ein Förderprogramm des Arbeitsamtes Nürnberg-Zerzabelshof wurde er zum Screendesigner ausgebildet.

Dädalus fiel sein Job ab dem ersten Tag leicht. Immer wenn ein Navigationskonzept entwickelt werden musste, erwies sich seine Erfahrung als Labyrintharchitekt als äußerst hilfreich. Niemand wusste so gut wie Dädalus, wie man Website-Besucher kreuz und quer schickt, wie man sie so lange verwirrt, bis sie völlig die Orientierung verlieren.

Verwirrende Zickzack-Navigation

Sein Meisterstück hat Dädalus für WMF abgeliefert:

Screenshot wmf.de
Screenshot www.wmf.de

Aus Dädalus Labyrinth auf Kreta findet niemand hinaus, in das bei WMF niemand hinein: Bis ein Kunde beim Produkt ist, hat er sechs verschiedene Navigationselemente benutzt, siebenmal geklickt, ist kreuz und quer über den Bildschirm gescheucht worden - Verwirrung pur.

Viele Benutzer navigieren mit den Navigationselementen 1 und 2 (siehe Abbildung) - so weit entspricht die Navigation dem üblichen Standard, der leicht verstanden wird: Navigation in Kopfzeile und/oder linker Spalte. Viele Leute werden jedoch nicht erkennen, dass man irgendwann mit den Elementen 3 und 4 weiter navigieren muss. Sie wundern sich nur, dass sie mit den Elementen 1 und 2 nicht weiter kommen und entdecken die Elemente 3 und 4 am unteren Rand nicht. Das gleiche Spiel wiederholt sich, wenn man plötzlich mit den Elementen 5 und 6 weiter navigieren soll. Dass die Bilder in Navigationselement 6 die Größe "Fliegendreck" haben, trägt ein Übriges dazu bei, dass die Infosuche auf wmf.de keinen Spaß macht und dass man ein Produkt nicht auf Anhieb findet. Übrigens versteckt sich irgendwo auf der Site der Minotauros des württembergischen Metallwarenwesens und lauert Besuchern auf: "Fremder, es ist besser, wenn Du von hier verschwindest, sonst fresse ich Dich." Dieser Ermahnung folge ich nur zu gerne.

Akzeptierte Navigationsstandards unterstützen die Benutzer

Im Web hat sich ein Navigationsstandard durchgesetzt: Navigationsleisten sollen oben und auf der linken Spalte zu finden sein. Wenn das Design davon abweicht, ist die Bedienung einer Website schwieriger zu erlernen. Wir können die Bedienelemente auf einer Website mit denen eines Autos vergleichen: Man stelle sich vor, dass jeder Autohersteller sein eigenes Bedienkonzept hätte: Gas- und Bremspedal, Lenkrad und Blinkerhebel wären bei jeder Marke an einer unterschiedlichen Stelle. Wie schnell käme ein Fahrer mit einem unbekannten Wagen zurecht? Im Internet muss man jeden Tag mit unbekannten Websites zurechtkommen. Es ist hilfreich, wenn sich ihre Benutzerführung an bekannte De-facto-Standards und Konventionen anlehnt. WMF macht es uns Benutzern nicht leicht, die Bedienung seiner Website zu verstehen. Unerfahrene Internetneulinge können vielleicht gar nicht damit umgehen.

Ein positives Beispiel

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Wie man es besser macht, zeigt Otto. Die Großmogule des Versandhandels bieten eine leicht verständliche Benutzerführung: Die Navigationselemente sind an den Stellen, die üblich sind - nämlich in der Kopfzeile und in der linken Spalte. Nach 3 bis 4 Klicks ist der Benutzer beim Produkt. Dazu verfolgt man eine Klickkurve, die dem gewohnten Leseverhalten entspricht: Von oben nach unten, von links nach rechts.

Screenshot wmf.de
Screenshot www.otto.de

Die Dädalusse unter den Screendesignern sollten sich bei diesem Navigationskonzept eine Scheibe abschneiden.

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