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Montag, 06. September 2010
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Bild Marketingberater Max Zorno

Zorno.de ist die Gedanken-Sammlung von Christian Rothe, Marketing-Berater:

"Bei mir finden Sie Rat und Tat in Marketingfragen.
Ich wäre erfreut, wenn ich mir mit meinen Leistungen Ihr Vertrauen erarbeiten dürfte."

Galerie des miesen Marketing

Memory-Navigation für Gedächtnisakrobaten

Frühkindlichen Traumata werden Langzeitfolgen bis ins Erwachsenenalter nachgesagt. Ihre Reparatur bringt Heerscharen von Psychologen in Lohn und Brot. Leider gelingt ihnen die vollständige Bewältigung eines Traumas eher selten.

Im Internet können wir betrachten, was passiert, wenn ein Webdesigner nicht von seinem Kindheitstrauma kuriert zu sein scheint. Es handelt sich um die Startseite der Internetpräsenz http://www.hoffmeister.de:

Screenshot
Startseite Hoffmeister.de (Schnappschuss aus dem September 2003)

So funktioniert das Navigationsmenü

Die schwarzen Quadrate sind Menüpunkte des Hauptmenüs. Als Besucher müssen wir mit der Maus über jedes schwarze Viereck fahren, dann wird der Beschreibungstext des jeweiligen Menüpunkts sichtbar. Bewegen wir die Maus wieder weg, dann verschwindet der Text.

Bewegung der Maus auf Menüpunkte
Umgang mir dem Menü auf Hoffmeister.de (Menüausschnitt)

Auf- und Zuklappnavigation erfordert Supergedächtnis

Diese Navigation überfordert normale Benutzer.

Beim abgebildeten Verfahren müssen wir uns die Bedeutung jedes einzelnen Vierecks merken. Gar nicht so einfach, wenn wir als Erstbesucher erst einmal kennen lernen wollen, was uns geboten wird. Insgesamt stehen uns 10 Menüpunkte zur Auswahl - was die Mehrzahl von uns Benutzern überfordert. Unser Kurzzeitgedächtnis kann sich 7 Punkte merken - so weiß es eine allgemein akzeptierte Faustformel (mehr Infos über die Gedächtnisleistung des Menschen finden Sie auf Kommdesign.de: Die magische Zahl 7 und die Gedächtnisspanne ).

Das Memory-Trauma

Wer aufgehört hat, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein.

Hartmut Eklöh

Und genau hier kommt das Kindheitstrauma des Webdesigners ins Spiel: Er ist wohl von seinen Eltern mit dem Spiel "Memory" gequält worden? Die Meisten von uns haben dieses nette Spielchen bereits gespielt. Es geht in etwa so: Von verdeckt liegenden Karten dürfen wir jeweils zwei Karten aufdecken und uns ihr Motiv merken. Dann werden sie wieder zugeklappt und wir können die nächsten Karten aufdecken. Ziel des Spieles ist es, unter den Karten möglichst viele Paare mit gleichen Motiven zu lokalisieren.

Memory-SpielerSpielepackung Memory

Gesellschaftsspiel Memory (Bilder: © Ravensburger Spieleverlag GmbH)

Navigationskonzept nach Memory-Spielregeln

Das Navigationskonzept auf Hoffmeister.de erinnert mich fatal an Memory. Anscheinend ist der liebe Webdesigner nicht damit fertig geworden, dass er jeden Sonntag mit der Mama und der lieben Tante dieses Spiel spielen musste: Merken Sie sich gut, welches Informationsziel Sie auf der Website erreichen wollen. Decken Sie dann jeweils einen Navigationspunkt auf. Versuchen Sie, sich denjenigen Punkt zu merken, der zu Ihrem Informationsziel passt. Wenn Sie am Ende den richtigen Navigationspunkt anklicken, haben Sie gewonnen.

Online-Spiele(reien) beim Leuchtenhersteller

Wenn schon, denn schon: Die Navigations-Katastrophe erstreckt sich konsequent über alle Ebenen.

Hoffmeister.de hat alles, was ein richtiges Computerspiel braucht: Haben wir Level 1, das Hauptmenü, gemeistert, dann wartet Level 2 auf uns: Das erste Untermenü - z.B. "Produkte" (mit glücklicherweise nur 8 Unterpunkten)! Bestehen wir auch dieses Abenteuer werden wir auf das nächste Untermenü, Level 3, vorgelassen. Hier sehen wir diese beiden Spielstufen im Bild:

Screenshot
Untermenüs (1. und 2. Unterebene) auf Hoffmeister.de

Hoffmeister.de: Trainingsgerät für die Gedächtnismeisterschaft

Reiz des Memory-Spiels ist, dass wir uns im Kurzzeitgedächtnis so wenig merken können. Bei einer Firmen-Website ist es ein Ärgernis, wenn wir Gedächtnis-Weltmeister sein müssen, um vernünftig mit ihr umgehen zu können. Natürlich liefert die Hoffmeister Leuchten GmbH ein perfektes Trainingsgerät für alle, die sich für die Memoriade, die Deutsche Gedächtnismeisterschaft, qualifizieren wollen (http://www.memoriade.net). Aber welcher Leuchtenkäufer will das schon?

Mögliche Verbesserungen

Unverständliche Menüs auf Firmen-Websites sind Umsatzbremsen.

Würden wir alle Menüpunkte ausklappen, dann sähe das Hauptmenü folgendermaßen aus:

Screenshot
Meine "Fälschung" des Hauptmenüs

Dies wäre schon eine leichte Verbesserung, aber kein wahrer Durchbruch. Wir sehen jetzt alle Menüpunkte auf einen Blick. Doch wir können den dürftigen Beschreibungen kaum entnehmen, wohin sie uns bringen werden. Oder wissen Sie, was sich hinter "Simes" (siehe Menüpunkt 5) oder "Dialux" (siehe Menüpunkt 8) verbirgt?

So schreckt man den Benutzer ab

Und worauf weist der geheimnisvolle "Hinweis" (Menüpunkt 9) hin? Dieser Menüpunkt macht mich neugierig: Bekommen wir dort die Spielregeln erklärt? Und tatsächlich stecken dahinter die Spielregeln - nämlich schöne Grüße aus der Rechtsabteilung: "HOFFMEISTER kann unter keinen Umständen für das Auftreten von direkten oder indirekten Schäden jedweder Art, die durch Benutzung dieser Website entstehen, haftbar gemacht werden.". So lautet nur ein Satz von vielen, die zeigen, wie praktisch die Hoffmeisters veranlagt sind: Erst produzieren sie eine Website, die voll daneben ist, und dann warnen sie vor deren Benutzung. Würde es Sie nicht auch stutzig machen, wenn Ihnen ein guter Freund erzählt: "Ich leihe Dir mein Auto, und im Prinzip hat die Karre auch TÜV. Aber für jedwede Schäden durchs Fahren (auch an Deiner Gesundheit) übernehme ich keinesfalls die Haftung."

Eine gute Navigation bietet Orientierung und ist KEIN Quiz

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Welche Erleuchtung nehmen wir also mit von der Website des Leuchtenherstellers aus dem schönen Sauerland? Eine Navigation ist nur dann gut und brauchbar, wenn sie dem Benutzer Orientierung bietet. Dazu müssen Navigationspunkte leicht zu unterscheiden und verständlich sein. Dies erreichen wir am besten mit aussagekräftigen Erklärungstexten für jeden Menüpunkt. Dieses extreme Beispiel zeigt uns, wie schwierig eine Website zu bedienen ist, wenn solche Texte fehlen oder nur schwer zugänglich sind.

Echte Spiele finden Sie woanders

Die Navigation auf einer Firmen-Website sollte kein Ratespiel sein. Wer begierig aufs Spielen ist, kann sich auf Spiele-Websites vergnügen: Alle, die ihren frühkindlichen Spieltrieb noch nicht abgelegt haben, finden hier ein empfehlenswertes echtes Online-Memory-Spiel des Rhiannon Frauenbuchladens, Köln. Viel Spaß!

Nachtrag im September 2004: Hoffmeister hat die Kritik tatsächlich aufgenommen: Die Firma hat mittlerweile ihre Website etwas überarbeitet. Mein Artikel auf dieser Seite bleibt aber unverändert - mir ging es nicht um eine spezielle Kritik an Hoffmeister. Mein Artikel zeigt vielmehr grundsätzliche Missstände auf, die im WWW tausendfach anzutreffen sind. Viele Internetseiten wurden unter Missachtung wahrnehmungspsychologischer Erkenntnisse gestaltet.

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