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Freitag, 12. März 2010
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Bild Marketingberater Max Zorno

Zorno.de ist die Gedanken-Sammlung von Christian Rothe, Marketing-Berater:

"Bei mir finden Sie Rat und Tat in Marketingfragen.
Ich wäre erfreut, wenn ich mir mit meinen Leistungen Ihr Vertrauen erarbeiten dürfte."

Expertengefasel

Die Werbe-Turbo-Mastkur

Am Martinstag und an Weihnachten müssen sie stets dran glauben: Mastgänse. Die armen Viecher haben ein grausames Leben hinter sich. Viermal täglich bekamen sie gewaltsam Mais in den Schlund gestopft und wurden bewegungsarm auf engem Raum gehalten - mit einem einzigen Ziel: Die Tiere sollten möglichst schnell Schlachtgewicht erreichen. Nach ca. 9 Monaten heißt es dann "Auf zur Schlachtbank!"

Unerträgliche Überfütterung mit Werbung

Gänsestopfmast

Der deutsche Durchschnittskonsument macht eine ähnliche Stopfmast durch: Unternehmen stopfen ein Übermaß an Werbung in ihn herein, um schnell seine Geldbörse zu schlachten. Immer größere Milliardenbudgets fließen Jahr für Jahr in klassische Werbespots (15-30 Sekünder), um die Bekanntheit von Produkten und Marken zu steigern. 1990 hatten wir 1.952 im TV beworbene Marken; 1997 waren daraus schon 5.579 geworden. 1990 wurden 15,1 Mrd. DM (7,7 Mrd. Euro) für Werbung in den Medien verbraten, bis 2000 hatte sich diese Zahl bis auf 35,53 Mrd. DM (18,1 Mrd. Euro) mehr als verdoppelt. Im Schnitt prasseln etwa 3.000 Werbekontakten pro Tag auf jeden von uns ein!

Selbst Werbungtreibende stellen Wirkung von Werbung in Frage

Das Problem: Werbung wirkt immer weniger. Dies hat sogar schon die Marketingbranche selbst erkannt. Das Deutsche Markenfernsehen berichtet auf seinen Internetseiten:

"Die Wirkung der klassischen Werbespots hat in den letzten Jahren allerdings dramatisch abgenommen. So ordnen heute nur noch 2% der Zuschauer einen TV-Spot der richtigen Marke bzw. Unternehmen zu. Ursachen sind die steigende Anzahl der beworbenen Marken (+30%) und Unternehmen (+16%) sowie der Überfrachtung der Medien mit kurzen, aneinandergereihten Spots (+60%). Auch die heutige Preispolitik der teuren 30-Sekünder bietet keinen Spielraum für innovative Marketingkonzepte bei den klassischen TV-Sendern." (Quelle: markenfernsehen.de)

Die Antwort auf die Krise der Werbung? Der Holzhammer!

In anderen Worten: Die Medienpräsenz wird immer teurer, zeigt aber immer weniger Wirkung. Was ist die Konsequenz? Wäre es nicht vernünftig, dass Firmen ihre Medienpräsenz reduzieren, wenn sie immer weniger bringt? Das Deutsche Markenfernsehen (DMF) hat eine originelle Antwort parat: Die Holzhammer-Methode! Der Slogan des Senders: "Willkommen beim Deutschen Markenfernsehen: Große Marken machen ihr eigenes TV-Programm." Der Sender präsentiert sein Konzept so:

"Das Deutsche Markenfernsehen ist der erste Informations- und Kommunikationsdienst der Markenartikel-Industrie. Das Deutsche Markenfernsehen ... sendet unterhaltende Informationen über Firmen und deren Produkte. [...] das Deutsches Markenfernsehen bündelt die Interessen der Werbetreibenden und stellt ihnen eine Plattform zur Verfügung, auf der sie Inhalte rund um ihre Produkte oder Dienstleistungen ausführlich und nach eigenen Vorgaben einem Massenpublikum präsentieren und erklären können. Im Gegensatz zu Werbe-Platzierungen im herkömmlichen Fernsehen (Spots in Zeiteinheiten von 15-30 Sekunden), stehen jedem Partner vom Deutschen Markenfernsehen 58 Minuten Sendezeit als Eigenwerbekanal pro Tag zur Verfügung." (Quelle: markenfernsehen.de)

Die 24-Stunden-7-Tage-die-Woche-Dauerwerbesendung

Die Gehirnwäsche gilt allenthalben als fürchterlich und schrecklich. Es gibt aber Gehirne, denen eine Wäsche ganz gut täte.

Johannes Gross

Im Klartext: Markenwerbung beschränkt sich nicht mehr auf einzelne Werbeblöcke im Sendeschema, sondern das ganze Programm ist Werbung. Wir können uns auf einen einzigartigen Werbe-Overkill freuen: Selbstdarstellung von Markenartiklern 24 Stunden lang an 365 Tagen im Jahr. Dauerwerbefernsehen pur! Angedrohter Sendestart: Frühjahr 2005. Darauf haben wir "bestimmt" alle gewartet! Wir werden eine Werbe-Turbo-Mastkur erleben!

Deutsches Markenfernsehen: Turbo-Stopfmäster der Werbebranche

Ich weiß nicht, welche Marketing-Experten diesen Quatsch ersonnen haben: Das DMF-Konzept klingt für mich nach Verabreichung von Werbung bis zum Erbrechen. Das DMF betätigt sich quasi als Turbo-Stopfmäster der Werbebranche. Schade nur, dass sich das Tierschutzgesetz nicht auf Fernsehzuschauer erstreckt. In Deutschland und Österreich steht nämlich die Gänse-Stopfmast als Tierquälerei unter Strafe; die DMF-Werbe-Stopfmast ist dagegen völlig legal - dank einer rundfunkrechtlichen Sendeerlaubnis der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB).

Ein Programm, vor dem mir graut

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Und hier ein aktueller Programmhinweis Ihres Deutschen Markenfernsehens:

Es ist jetzt 19:55 Uhr. Um 20:00 Uhr sehen Sie eine spannende Komödie der Deutschen Bank über ihr "Ertragswinkel"-Anlagekonzept: "Liebling, ich habe das Vermögen geschrumpft". Im Anschluss folgt die "100.000 Mark Show", das Info-Magazin von Volkswagen über seine Listenpreise im Kleinwagen-Segment. Um 21:30 Uhr geht es gleich weiter mit einem Auto-Thema: Es erwartet Sie der Report von Mercedes-Benz über innovative Elektronik-Komponenten in der E-Klasse: "Pleiten, Pech und Pannen". Wir wünschen Ihnen viel Spaß mit unserem Abendprogramm.

Willkommen in einer schönen neuen Welt!

 
 

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